Souvenirs, Souvenirs

TuecherSeit Jahren kann ich auf Flohmärkten nicht an den bedruckten Vintage-Seidentüchen vorbeigehen, die früher als Souvenirs einer Reise gekauft wurden. Ich sammle sie schon lange, weil die auf ihnen abgedruckten bunten Welten auf mich eine gewisse Faszination ausüben und ihre eigenen Geschichten erzählen: Da finden sich stolze Stadtsilhouetten, elegante Damen auf mondänen Boulevards, prächtige Schlossfassaden, Strandpromenaden unter Palmen, satte Wiesen und zackige Berge, über denen die Sonne lacht, rotwangige Skifahrer mit dicken Wollmützen …

Die Tücher sind aber auch kulturgeschichtliche Zeitzeugen und Dokumente der (europäischen) Reisegewohnheiten früherer Zeiten: In der frühen Nachkriegszeit war eine Urlaubsreise ja noch Luxus, ein beliebtes Reiseziel war z.B. der Schwarzwald. Wanderurlaub in der Natur war angesagt – raus aus den kriegszerstörten Städten in Richtung der ländlichen Regionen mit guter Versorgungslage – davon zeugen die vielen Tücher aus den 50er Jahren aus Schwaben und Bayern. Später konnte sich auch manch einer eine Reise nach Bella Italia leisten – und die Nachbarin mit dem Gardasee um den Hals neidisch werden lassen!

Kosmetiktaeschchen VentimigliaJe nachdem, aus welcher Zeit und Region sie stammen, variiert die Qualität ganz wesentlich: Die schönsten Exemplare mit regelrecht künstlerischen Wert stammen aus dem Paris oder Venedig der 50er und 60er Jahre – sie sind mit elegantem Strich gezeichnet, sorgfältig koloriert, auf feine Seide gedruckt und haben vielleicht die elegante Frisur der einen oder anderen Dame im Cabrio eingehüllt. … Exemplare aus Bayern, Österreich oder der Schweiz mit Wanderlust-Motiven sind eher auf robuste Baumwolle gedruckt. Ab den 80er Jahren lässt die Qualität der Tücher massiv nach – mit Beginn des Massentourismus bestimmt das billige Souvenir aus simplem Polyester den Markt. Auffällig: Exemplare aus Osteuropa finden sich recht selten, auch Großbritannien, Nord- und Ostsee oder Skandinavien sind nicht häufig.

Tragen mag man die Tücher heute ja nicht mehr so recht, aber als Material für kreatives Upcycling sind sie eine wundervolle Quelle. Ich verwandle die einzelnen Bilder in stoffgebundene Reisetagebücher oder Kosmetiktäschchen mit Fernwehfaktor … auch die ein oder andere Handtasche ziert ein solches Motiv. Nachfragen lohnt sich – mein Vorrat ist inzwischen sehr umfangreich, oft kann ich auch scheinbar ausgefallene Destinationen anbieten!